Sind Käufer kritischer als Prüfer und Auktionatoren?

Auf den ersten Blick alles Top-Werte - ein Rückblick auf die Ergebnisse der Ulrich Felzmann 12 e@uction am 14.-15. Dezember 2016

Etwas verwundert habe ich die Ergebnisse im DDR-Teil bei Raritäten der Serie Köpfe II/Pieck II zur Kenntnis genommen. Verwundert zum einen, weil die Ausrufpreise sehr moderat waren, und zum anderen, weil sie trotzdem alle liegen blieben. Alle Marken sind BPP-geprüft mit Attesten, Befunden und einmal mit Kurzbefund. Sehen wir uns doch mal die Marken und die dazugehörigen schriftlichen Zeugnisse an:



324 zYI Qualität der Zähnung: rechts oben fehlen 2 Zähne, rechts sind 4 bis 5 Zähne stark verkürzt, unten fehlt einer und 3 sind stark verkürzt, links ist die gesamte Zähnung extrem rauh.

Zentrierung: mäßig dezentriert

Stempelabdruck: klar und unverwischt, gut lesbar

Verfärbungen: bildseitig nicht sichtbar

Beschädigungen: bildseitig sichtbarer schräger Bruch


Jörg Schönherr hat mit Kurzbefund geprüft, was sein Qualitätsurteil widerspiegelt: Eine seltene Marke, die eigentlich nach dem Katalogwert mit Attest geprüft werden könnte, aber es ist ein Knochen, der nur gerade vor dem Wegwerfen gerettet wurde.

Von den Zahnfehlern wird nichts erwähnt.

Beschreibung: „24 Pfg Pieck schwärzlichrotorange auf normalem Papier mit stehendem Wz., zeitgerecht gestempelt BITTERFELD, ungeachtet eines schrägen Bruchs attraktives Exemplar dieser sehr seltenen Sorte, Fotobefund Schönherr BPP, € 2.000,-“

Ausruf Felzmann: 150 Euro, nicht verkauft


330 zYI Qualität der Zähnung: oben sind 4 Zähne stark verkürzt, rechts fehlen 2 Zähne, 4 sind stark verkürzt, unten fehlen 3 Zähne, 3 sind stak verkürzt, links sind 2 stark verkürzt

Zentrierung: mäßig dezentriert

Stempelabdruck: verwischter Viertelstempel ohne Datum, anhand der Schrifttype bei Vergleichsmaterial einer Stempelgerät zuordenbar, anhand der Stempelfarbe einem Zeitraum zuzuordnen. Aber etwas heikel.

Verfärbungen: bildseitig sichtbar große braune Flecken am unteren Rand und in Höhe der Buchstaben EUTSCHE von DEUTSCHE

Beschädigungen: nicht erkennbar


Henry Mayer hat die Marke 2002 mit BPP-Attest geprüft. Die Umschreibung „rechts unruhige Zähnung mit Verkürzungen“ lässt die anderen fehlenden Zähne außer Acht. Die Verfärbung ist nicht erwähnt. Die Stempelzuordnung ist mutig.

Beschreibung: „10 Pfg. Bebel bläulichgrün auf gewöhnlichem Papier mit seltenem Wasserzeichen in Type I, rechts etwas unregelmäßig gezähntes Bedarfsstück mit sauberem Teilstempel von DRESDEN, Fotoattest Mayer BPP, € 5.000,-“

Ausruf Felzmann: 400 Euro, nicht verkauft



331 zaXII Qualität der Zähnung: rechts 3 stark verkürzte Zähne, unten 3 kurze Zähne, links 3 kurze Zähne

Zentrierung: mäßig dezentriert

Verfärbungen: keine

Beschädigungen: waagerechter Bug wird erwähnt


Siegfried Paul prüfte 2015 mit Befund „Leichter waagerechter Bug, ansonsten einwandfrei“

Die verkürzten Zähne finden keine Erwähnung

Beschreibung: „15 Pfg Hegel in seltenster Sorte, postfrisch mit leichtem Bug in ansonsten einwandfreier Prachterhaltung, gepr. Weigelt BPP sowie Fotobefund Paul BPP, € 1.000,-“

Ausruf Felzmann: 100 Euro, nicht verkauft



333 vaYI Qualität der Zähnung: oben sind 5 Zähne stark verkürzt, rechts 2, unten 3, links 3

Zentrierung: mäßig dezentriert

Stempelabdruck: klar und dsauber, Datum erkennbar

Verfärbungen: im Wangenbereich bläuliche Flecken, rechts vergilbt

Beschädigungen: nicht erkennbar


auch wenn die beiden Vorprüfer tiefst signiert haben, ist die Marke nicht einwandfrei. Fehlende Zähne und bildseitige Verfärbungen sprechen dagegen.

Beschreibung: „20 Pfg Kollwitz lebhaftkarminrot mit stehendem Wasserzeichen, sauber gestempelt, Pracht, Fotoattest Paul BPP "... einwandfrei"

Ausruf Felzmann: 350 Euro, nicht verkauft



334vaXII Qualität der Zähnung: „weist infolge dünner Nadeln eine rauhe Zähnung auf“ ist im Attest erwähnt und trifft zu, die im Vergleich zu den kleinen Löchern breiten Zähne sind gut erkennbar

Zentrierung: mäßig dezentriert, wird erwähnt

Verfärbungen: keine

Beschädigungen: nicht erkennbar


Jörg Schönherr hat die Qualitätsmängel beschrieben. Trotzdem einwandfrei?

Beschreibung: „25 Pfg Virchow auf gestrichenem Papier mit seltenem Wz. 2 X II, postfrisch in unsignierter Prachterhaltung, Fotoattest Schönherr BPP "... einwandfrei", € 1.000,-

Ausruf Felzmann: 180 Euro, nicht verkauft




336vaYI Qualität der Zähnung: Oben einwandfrei, rechts einwandfrei, unten 2 stark verkürzte Zähne, links 3 stark verkürzte Zähne

Zentrierung: mäßig dezentriert

Verfärbungen: keine

Beschädigungen: Falzrest

Altsignatur deutlich erhöht geprüft WEIGELT BPP


Die Zähnungsmängel bleiben unerwähnt. Auch wird nicht erähnt, das die Altsignatur mehrere Millimeter erhöht angebracht wurde.

Beschreibung: “40 Pfg dunkelrotlila auf gestrichenem Papier mit senkrecht stehendem Wasserzeichen in ungebrauchter Prachterhaltung, gepr. Weigelt BPP sowie Fotoattest Paul BPP "... einwandfrei", € 2.000,-

Ausruf Felzmann: 400 Euro, nicht verkauft



339xbXI Qualität der Zähnung: sauber gezähnt, rechts 2 etwas kürzere Zähne

Zentrierung: mäßig dezentriert

Stempelabdruck: klar und sauber, Datum erkennbar. Det Stempel BORNA (BZ LEIPZIG) / d ist auf Handstempelmarken immer falsch. Dem Verfasser liegen unter seinen Hunderten Stempelabdrücken von Borna keine Bedarfsstempel mit UB d aus dem Zeitraum vor. Auch viele andere Borna-Stempel sind missbräuchlich verwendet worden. Die Prüfung datiert aus dem Jahr 2003. Hat sich die Beurteilung des Stempels seitdem geändert? Ist das dem Auktionator bekannt? Ich habe Rücksprache mit Jörg Schönherr genommen: Der Stempel wird mittlerweile anders bewertet, er würde aktuell nicht echt gegeben.

Verfärbungen: keine

Beschädigungen: keine


Hat Stempelproblematik den Auktionator veranlasst, die Marke nur mit 280 Euro auszurufen? Im Attest heißt es dazu: zeitgerecht, echt. Wie oft wurde die Marke bereits angeboten und wurde nicht verkauft?

Beschreibung : „80 Pfg Thälmann mit Lacküberzug, Wz. 2 X I, mit Beifrankatur und zeitgerechter Entwertung BORNA (BZ LEIPZIG) d 15.4.53 auf attraktivem Briefstück, Fotoattest Schönherr BPP, € 1.600,-“

Ausruf Felzmann: 400 Euro, nicht verkauft



Zusammenfassung: Die Auktion Felzmann ist nur deshalb herausgegriffen worden, weil dort regelmäßig Stücke von allerhöchsten Niveau angeboten werden. Viele Raritäten wie 219 az und 214 d fanden hier ihre Käufer, auch die Zuschläge für seltene DDR-Marken waren hier immer herausragend. Der Artikel soll nicht als Kritik am Auktionshaus Felzmann verstanden werden. Jedes andere Auktionshaus zititert aus dem Prüfattesten und folgt dem Urteil der Prüfer meist kommentarlos.

Grund des Artikels ist vielmehr die Tatsache, dass 7 von 7 angebotenen Marken unverkauft bleiben. Trotz moderater Ausrufpreise. Sind die Käufer kundiger und kritischer als die Prüfer und die Auktionatoren?